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Zwei Photovoltaik-Partner: «Wir sind motiviert.»

Claudius Bösiger und Claus Schmidt im Gespräch über die Partnerschaft von Planeco und IWB, über die gemeinsame Zukunft – und die der Solarenergie in der Schweiz.

 

Text: Paul Drzimalla; Fotos: Timo Orubolo

Herr Bösiger, Herr Schmidt, seit letztem Jahr sind Planeco und IWB Partner. Warum haben Sie das gemacht?

Claudius Bösiger: Wir waren schon länger auf der Suche nach einer Partnerin, die uns den Rücken stärkt. Planeco ist zuletzt stark gewachsen und hat auch Grossprojekte realisiert. Dort kam aber öfter die Frage nach einer Kooperation auf. Wir sind froh, dass wir mit IWB ein Unternehmen gefunden haben, das aus der Region kommt und sich neben dem wirtschaftlichen Erfolg  auch der Nachhaltigkeit und Energiewende verschrieben hat.

Claus Schmidt: Der Ausbau der erneuerbaren Energien soll vorangehen. Dazu passt diese Partnerschaft, denn sie ist eine Konsequenz unserer Strategie. Wir wollen explizit mit erneuerbaren Energien wachsen und dafür Kooperationen mit qualifizierten Partnern eingehen. Mit Planeco haben wir einen Partner gefunden, der Erfahrung hat mit anspruchsvollen PV-Anlagen, sei es im Fassadenbereich oder im Bereich Grossanlagen auf Infrastrukturen.

 

Hätten Sie gedacht, dass Sie einmal mithelfen würden, die grösste alpine PV-Anlage der Schweiz – AlpinSolar – zu realisieren?

Claudius Bösiger: Wenn man sich vor Augen führt, wie Roman Brunner und ich vor zehn Jahren Planeco gegründet haben, dann wohl nicht. Wir wollten auf dem Dach unserer ehemaligen Hochschule eine PV-Anlage erstellen, doch fanden keine Firma. Da während des ersten Solarbooms alle Solarunternehmen komplett ausgelastet waren, haben wir selbst eine gegründet.

Claus Schmidt: Für IWB reiht sich eine PV-Grossanlage auf einer Staumauer in die Tradition ein, innovative Projekte anzupacken. Seit Langem investieren wir in erneuerbaren Strom. Wir sind an mehreren Windparks  beteiligt und haben auch sehr früh grössere Solaranlagen realisiert, etwa diejenige auf dem «Joggeli». Und in den Alpen ist IWB schon lange präsent, wenn man an unsere Beteiligungen an den Grosswasserkraftwerken denkt.

 



AlpinSolar ist in mehrerer Hinsicht einmalig. Bisher haben IWB und Planeco vor allem Anlagen auf Gebäuden erstellt. Was werden wir in Zukunft mehr sehen: Grossanlagen wie AlpinSolar? Oder Anlagen auf Dächern und an Fassaden wie hier am Grosspeter Tower?

Claus Schmidt: AlpinSolar ist ein Pionierprojekt mit Signalcharakter, das nur funktioniert, weil Axpo und IWB eine reduzierte Rendite akzeptieren und Denner den Strom direkt abnimmt. Von der Anlage erhoffen wir uns neben der Erfahrung beim Bau auch eine Signalwirkung für die Bevölkerung und die Politik. Wir wollen in Zukunft grosse Solaranlagen bauen, sei es auf Dächern, an Industriestandorten oder Infrastrukturen. Allerdings müssen sich dafür in der Schweiz die Rahmenbedingungen weiter verbessern, etwa durch kürzere Bewilligungsverfahren oder marktorientierte Ausschreibungen.

Claudius Bösiger: Das stimmt. Ich möchte ergänzen, dass aussergewöhnliche Anlagen – dazu zähle ich sowohl AlpinSolar als auch den Grosspeter Tower – ein Feld öffnen können. Solche Anlagen sind sehr komplex und brauchen viel Ingenieurs-Know-how. Alle Beteiligten lernen dabei etwas dazu und helfen so, die Wirtschaftlichkeit auch von Anlagen, die heute noch aussergewöhnlich scheinen, enorm zu verbessern.

«Wir wollen grosse Solaranlagen bauen, sei es auf Dächern, an Industriestandorten oder Infrastrukturen.»

Claus Schmidt, CEO IWB

Man sagt heute, Photovoltaik lohne sich, wenn Menschen den produzierten Strom an Ort und Stelle verbrauchen. Anders sieht es bei reinen Produktionsanlagen aus. Stimmt das?

Claudius Bösiger: Ja, das ist so. Und dieses Problem haben nicht nur Anlagen in der Peripherie, sondern auch im Siedlungsraum. Es gibt so viele Lagerhäuser und andere Gebäude mit grossen Dachflächen und fast keinem Stromverbrauch. Für die Bauherrschaften, die dort eine Anlage bauen könnten, gibt es keine wirkliche Sicherheit, dass sich die Investition auch lohnt. So bedecken sie – wenn überhaupt – nur einen kleinen Teil des Dachs mit Panels. Das ist ärgerlich: besonders wenn später bei geänderten Rahmenbedingungen noch einmal ein Gerüst aufgestellt und die Anlage ergänzt wird. Und man muss sehen, dass es oft nicht viel braucht, wie Claus schon gesagt hat. Wir haben einem Industriekunden eine Anlage erstellt, die grösstenteils ins Netz einspeist. Die lohnt sich, obwohl er nur zwei Rappen mehr pro Kilowattstunde erhält als der aktuelle Marktpreis im Einkauf.

Claus Schmidt: Man muss auch unterscheiden, für wen sich Photovoltaik «lohnt». Für die Schweiz sind grosse PV-Anlagen, die Strom fürs Netz produzieren, durchaus interessant, und wir wollen sie vermehrt bauen. Betrachtet man die Energieperspektiven 2050+, dann wird klar, dass es in der Schweiz noch viel mehr installierte PV-Leistung braucht. Wir werden alles brauchen: Eigenverbrauchsanlagen vor Ort auf Dächern und Fassaden einschliesslich Zusammenschlüsse solcher Anlagen und Grossanlagen in der ganzen Schweiz auf Infrastrukturen oder anderen geeigneten Flächen.

 

Noch einmal zu AlpinSolar. Dort gibt es mit Denner ein Unternehmen, das den produzierten Strom abnimmt. Bringen solche Initiativen der Photovoltaik den nötigen Schwung? Oder braucht es am Ende doch politische Impulse?

Claus Schmidt: Es braucht sicher beides. Politische Impulse funktionieren am besten, wenn auf dem Markt eine Nachfrage besteht. Deshalb ist das Engagement von Denner ein wichtiges Zeichen, dass erneuerbare Energien aus Schweizer Produktion auch von der Wirtschaft gewollt sind und wertgeschätzt werden.

Claudius Bösiger: Man muss auch beachten, dass ein solches «Power-Purchasing-Agreement», wie es Denner mit IWB und Axpo eingegangen ist, nur für grössere Unternehmen machbar ist. Ein KMU hat dafür die Ressourcen nicht. Solche Unternehmen brauchen die entsprechenden Anreize.

 

Photovoltaik gibt es heute in vielen Formen. Vom klassischen schwarzen Panel bis zur farbigen, individuell geformten Fläche. Haben Sie eine Lieblingsanlage?

Claudius Bösiger: Der Grosspeter Tower ist für mich herausragend. Konsequent die ganze Gebäudehülle zu «aktivieren», 
sprich: sie für die Stromproduktion zu nutzen, das war damals ein grosser Schritt und aus Sicht der Bauherrschaft auch ein mutiger.

Claus Schmidt: Für mich sind technisch weniger extravagante Anlagen auch sehr wertvoll. Wie unsere zwei Sonnenbox-Crowd-Anlagen, die demnächst gebaut werden. Diese Anlagen finanzieren Interessierte – auch Menschen ohne Immobilie – über ein Beteiligungsmodell. Sie stehen am richtigen Ort und produzieren Solarstrom, ohne übermässige Ressourcen zu verbrauchen. Nicht nur die Technik ist wichtig, sondern auch der Kontext: Sonnenbox-Crowd-Anlagen existieren, weil Menschen in Basel sie wollen.

 

Technisch hat sich bei der Modultechnik viel getan: Dünnschicht- und doppelseitige Module, besagte Färbungen. Was kommt als Nächstes? Oder ist die Photovoltaik «ausentwickelt»?

Claus Schmidt: Als Physiker habe ich per se einen ausgeprägten Fortschrittsglauben. Es gibt immer wieder schlaue Köpfe, die ein Produkt Stück für Stück verbessern. Bei der Photovoltaik ist dies nicht nur die Modultechnik, sondern auch die Herstellung. Als verantwortungsbewusstes Unternehmen freuen wir uns, wenn Hersteller PV-Module beständig nachhaltiger produzieren. Bei AlpinSolar wurden solche von MegaSol eingesetzt, einem Schweizer Hersteller, der stark auf Nachhaltigkeit achtet.

Claudius Bösiger: Das ist ein guter Punkt. Denn je nachhaltiger die Produktion, desto eher hat eine PV-Anlage ihre graue Energie «amortisiert» und hilft, wirklich Emissionen zu verringern. Bei einem Projekt in Allschwil, das Planeco für Herzog & de Meuron umsetzen darf, ist die Solaranlage so konzipiert, dass sie innert 30 Jahren die gesamte graue Energie des ganzen Gebäudes amortisiert. Ab dann ist wirklich die gesamte Überbauung CO2-neutral. Dessen müssen sich auch Architekturbüros bewusst sein, denn alle Gebäude, die sie heute bauen, stehen 2050 noch. Abgesehen davon entwickelt sich auch die Zelltechnik noch weiter – da kommt noch viel.

 

Auf dem Weltmarkt für Photovoltaik dominiert China, sowohl als Absatz- als auch als Produktionsmarkt. Welche Chancen sehen Sie für «Solar made in Switzerland»?

Claus Schmidt: Der Schweizer Solarmarkt bringt immer wieder Innovationen hervor. Man denke an die Dünnschichttechnik oder Solarfaltdächer. Ich rechne damit, dass wir diese Schweizer Innovationen auch in Zukunft sehen werden.

Claudius Bösiger: Schon heute gibt es viele Schweizer Hersteller, die sehr innovative Produkte haben. Viele davon werden auch hier in der Schweiz verbaut. Was wir hoffentlich in Zukunft wieder sehen werden, ist, dass die komplette Herstellung von Modulen wenn nicht in der Schweiz, dann doch zumindest in Europa erfolgt.

«Aussergewöhnliche Solaranlagen können ein Feld öffnen. Alle Beteiligten lernen dabei etwas dazu.»

Claudius Bösiger, Geschäftsleiter und Mitgründer Planeco

Gemäss Energieperspektiven 2050+ des Bundes muss die Schweiz die installierte PV-Leistung bis in 30 Jahren mehr als verzehnfachen. Wie viele PV-Anlagen wollen Sie bauen?

Claudius Bösiger: Ehrlich gesagt ist es mir gar nicht so wichtig, wie gross unser Anteil am Kuchen ist. Das ungenutzte Solarpotenzial ist in der Schweiz noch immer so gross, dass es wirklich genug Arbeit für alle gibt. Dabei darf auch nicht vergessen gehen, dass es grossen Bedarf in der Ausbildung gibt. Irgendjemand muss all die Anlagen ja bauen, und noch immer ist zum Beispiel Solarinstallateur kein offizieller Lehrberuf. Aber ja: Wir sind motiviert.

Claus Schmidt: IWB hat ein Ausbauziel von 100 MW Solarleistung bis 2030. Damit sind wir deutlich ambitionierter als der Bund. Und ich komme noch einmal auf unsere Strategie zurück: IWB will mit Erneuerbaren wachsen, und die Photovoltaik spielt dabei eine zentrale Rolle.

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AlpinSolar – die grösste alpine Solaranlage der Schweiz


IWB realisiert gemeinsam mit Axpo die grösste alpine Solaranlage der Schweiz. An der Muttseestaumauer auf 2500 Metern über Meer baut die IWB-Tochterfirma Planeco die Anlage. Sie wird pro Jahr 3.3 Millionen Kilowattstunden Strom produzieren – die Hälfte davon im Winter.

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