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Wo steht die Schweiz bei der Energiewende?

Ob die Schweiz mit dem Ausbau erneuerbarer Energien erfolgreich ist und wie wir die Energiewende schaffen, erklärt Alexandra Märki von AEE Suisse.

 

Text: Paul Drzimalla; Fotos: Timo Orubolo

Frau Märki, für die Energiewende in der Schweiz müssen die erneuerbaren Energien massiv ausgebaut werden. Wo stehen wir?

Nun, gemäss der letzten BFE-Statistik stammt rund ein Viertel des Gesamtenergieverbrauchs der Schweiz aus erneuerbaren Energien. Beim Strom entfällt dabei der grösste Anteil auf die Wasserkraft. Wind, Sonne und Biomasse machen zusammen nur etwa sechs Prozent aus. Die gute Nachricht ist: Es gibt einen Trend nach oben. Die schlechte: Es ist zu wenig und geht zu langsam. Zwar wird in erneuerbare Energieanlagen investiert – nur leider kaum hierzulande.
 

Woran fehlt es denn in der Schweiz? Am Geld, am Wissen, am politischen Willen?

Das Geld ist es sicher nicht. Die Schweiz ist eines der reichsten Länder der Welt. Wenn wir es nicht schaffen, wer dann? Die Pandemie hat gezeigt, dass wir in kurzer Zeit viel Geld mobilisieren können. Ohne diese Ausgaben zu bewerten: Damit hätten wir die Energiewende längst finanziert. Das Wissen kann es bei unseren renommierten Hochschulen auch nicht sein. Bleibt der Wille. Es gibt zwar einen Konsens, dass es die Energiewende braucht. Aber «wollen» ist eben nicht  «machen». Ich vergleiche das mit dem Sofa, auf dem man sitzt und Serien schaut. Man weiss, dass man auch mal raus und sich bewegen sollte. Aber schaut die nächste Serie – in der eigenen Komfortzone. Ähnlich ist es mit dem Energiesystem: Es hat bisher sehr gut für uns funktioniert. Sich von ihm zu lösen, braucht Zeit. Nur läuft die gegen uns.
 

Aber es bewegt sich doch etwas. Private statten ihre Gebäude mit Solaranlagen aus, Energieversorger wie IWB realisieren Grossprojekte wie «AlpinSolar». Wovon brauchen wir mehr?

Es ist kein «Entweder-oder», sondern ein «Und». Wir brauchen mehr dezentrale Energieerzeugung und Eigeninitiative, aber auch die grossen Kraftwerksbetreiber. Die allerdings brauchen die richtigen Rahmenbedingungen.  
 

Wo liegt das Problem?

In der Schweiz wird weiterhin über die politischen Rahmenbedingungen des Strommarkts geredet, was Unsicherheit bei Investoren schafft. Niemand will Millionen in Kraftwerke investieren, wenn er die Spielregeln nicht kennt. Das gilt übrigens auch für Private. Nicht alle sind Idealisten. Die wollen wissen, mit welcher Rendite sie rechnen können, wenn sie selbst investieren. Dazu kommt, dass die Systeme ungleich behandelt werden. Kernenergie und fossile Energien haben noch immer keine Kostenwahrheit, obwohl sie schon lange ins System integriert sind. Von den Erneuerbaren fordert man das aber quasi ab Tag eins. Wir haben deshalb letztes Jahr – auch mit IWB – die Allianz der Schweizer Energiewirtschaft gegründet, die ein wirksames Finanzierungsmodell für erneuerbare Energien fordert.

«Es gibt in der Schweiz genügend erneuerbare Energieträger. Wir müssen alle verfügbaren nutzen.»

Alexandra Märki, Co-Geschäftsleiterin AEE Suisse

Eine weitere Initiative ist die «Wärmeinitiative 2050». Weshalb braucht es die?

Weil ein grosser Handlungsbedarf besteht. Viele haben bei der Energiewende nur den Strom im Kopf. Doch ein Viertel unseres CO2-Ausstosses kommt aus Gebäuden. Zunächst wollten wir herausfinden, ob sich der Wärmesektor bis 2050 dekarbonisieren lässt. Wir haben eine Studie erstellt, die besagt, dass es auch hier gesetzliche Rahmenbedingungen braucht – es wird langfristig ein schweizweites Verbot von fossilen Heizungen brauchen –, aber die Wärmewende grundsätzlich machbar ist. Es gibt in der Schweiz genügend erneuerbare Energiequellen, um die Wärme zu dekarbonisieren. Und darauf wollen wir hinweisen. Natürlich müssen wir die Energieeffizienz weiter erhöhen, aber zugleich alle erneuerbaren Energieträger nutzen, die wir zur Verfügung haben.
 

Brauchen wir am Ende auch in der Schweiz einen «Green New Deal», der die Energiewende als grosses Konjunkturprogramm versteht?

Ja, wir glauben, dass es so einen Nachhaltigkeitsdeal braucht. Unsere Forderung umfasst deshalb mehr als einfach nur mehr erneuerbaren Strom. Es geht auch um Umweltschutz, um Kreislaufwirtschaft, die Dekarbonisierung von allen Sektoren, um Information und Sensibilisierung. Denn es braucht nicht nur einen Energiewandel, sondern einen gesellschaftlichen Wandel. Deshalb sollten wir nicht nur über Terawattstunden reden. Nur so können wir weitere Akteure mobilisieren, damit es nicht heisst: «Die Energiebranche soll es richten.» Denn da wären wir wieder beim Sofa (lacht). 

Zur Person

Alexandra Märki ist seit 2019 Co-Geschäftsführerin von AEE Suisse, der Dachorganisation der Wirtschaft für erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Die Umweltingenieurin ETH hat in der Vergangenheit Programme rund um erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Elektromobilität geleitet und war Geschäftsleiterin des Verbands Biomasse Suisse.

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