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Das Stromnetz und der Artenschutz

Quer durch den Jura ziehen sich Stromleitungen von IWB. Sie versorgen die Region Basel mit Strom. In Zukunft spielen sie auch noch eine wichtige Rolle beim Naturschutz.

 

Text: Paul Drzimalla; Fotos: Christian Aeberhard

Der Motor des Töfflis, das eben noch vorbeigeknattert ist, meckert noch leise hinter der Biegung hervor, dann kehrt die Ruhe zurück. Auf der Lichtung neben der Strasse blicken wir den Hang hinauf. Eine struppige Wiese ragt steil nach oben, begrenzt durch ein paar typische Jura-Kalkfelsen, schliesslich kommt der Himmel und über alldem: die Drähte einer Stromleitung. «Das haben sie stehen lassen», meint Thomas Fabbro, der uns begleitet, und weist auf eine kniehohe Pflanze, um die ringsum gemäht ist. Eine Strauchkronwicke, erklärt er, die würden nur Profis sehen. Erfahrene Forstwartinnen und Forstwarte hätten hier gemäht, mit einem Blick für wertvolle Arten. Und so wie auf dieser Wiese soll es bald auf vielen anderen im Jura aussehen, über die sich eine Stromleitung von IWB zieht.

Der ideale Ort für Naturschutz

Stromleitung hier, Natur dort – zwei Gegensätze, meint man. Trotzdem verbindet sie etwas, wie wir an diesem Waldstück nahe dem Dorf Liesberg BL herausfinden wollen. Denn das Gebiet unterhalb der rund 70 Kilometer Freileitungen, die IWB gehören – den sogenannten Trassen –, zieht sich durch viele Wälder, über Talsenken und Wiesen. Alles Lebensräume für Pflanzen- und Tierarten, die zunehmend knapp werden. Im Zuge ihrer Nachhaltigkeitsstrategie will IWB deshalb bis 2030 die Hälfte ihrer Flächen in naturnahe und artenreiche Lebensräume verwandeln. Gemeinsam mit Pro Natura Baselland hat IWB mit den Stromtrassen den idealen Ort dafür gefunden. Rund 12 der 70 Kilometer unterliegen sogenannten Dienstbarkeitsverträgen, werden also von Dritten unter Auflagen bewirtschaftet, etwa dem Forst oder Landwirtinnen und Landwirten. Und Auflagen bedeuten die Möglichkeit, etwas zu gestalten.

Ein Netz geht durch die Natur

Thomas Fabbro, Co-Geschäftsleiter bei Pro Natura Baselland, und Dietmar Küther, Leiter Marke & Nachhaltigkeit bei IWB, übers gemeinsame Projekt unter den Stromtrassen.

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Barrieren und Trittsteine

Was unter Aufwertung verstanden wird, erklärt Wagner anhand des Waldstücks, das neben uns liegt. Ein sanfter Übergang zwischen Wald und Wiese, damit Vögel und Insekten durchfinden. Dazwischen vorsichtig gemähte Wiesen und Krautsäume, wo seltene Pflanzenarten, wie die vorhin entdeckte Strauchkronwicke, stehen bleiben. Doch bis die Stromtrassen so aussehen, ist noch einiges zu tun. Denn bis anhin geht es bei der Trassenpflege vor allem um Sicherheit: Unterhalb der Stromleitung wird ein Korridor freigehalten, damit die Leitungen, die sich bei Hitze ausdehnen, keine Baumkronen berühren. Dabei werden störende Bäume bis zehn Meter links und rechts der Leitung gekürzt und liegen gelassen. Eine rechteckige Schneise entsteht, am Boden ein schattiges Dickicht. Für die Natur eine Barriere. Hier in Liesberg kommen jedoch beide auf ihre Kosten – Natur und Mensch –, denn auch diese Trasse ist sicher.


Weiter oben erreichen wir ein Feld, mittendrin ein Strommast. Die Leitungen führen aus dem Tal über einen Obstgarten zum Stahlgerüst und von dort aus vorbei an Magerwiesen an den Horizont. Über landwirtschaftlich genutzte Flächen hinweg könne man natürlich keine Trassen gestalten, erklärt Meret Franke. Wohl aber unter und um die Fundamente der Masten, wo sich kleine Steinhaufen oder Weiher anlegen lassen. «Wir bezeichnen sie als Trittsteine», erklärt die Umweltingenieurin. «Ein Vogel oder ein Insekt kann hier rasten, trinken oder das nächste Biotop suchen. Andere Arten leben ein oder zwei Jahre an solch einem Ort, bevor sie weiterziehen.» Wir gehen noch ein Stück aufwärts, ein Reh bricht durchs Gebüsch, alle verlangsamen ihre Schritte. Auf einem abgestorbenen Baum erblickt Thomas Fabbro einen Neuntöter.


«Artenschutz geht alle etwas an. Das stete Verschwinden der Insekten macht uns das gerade bewusst.»

Thomas Fabbro, Co-Geschäftsführer Pro Natura Baselland

Der Mensch und die Natur

Artenschutz sei etwas, das alle Menschen angehe, meint Fabbro. Das stete Verschwinden der Insekten und anderer Bestäuber bringe das gerade ins öffentliche Bewusstsein. Doch es gehe um mehr. «Artenschutz ist eine ethische Frage. Hat der Mensch eine Art erst ausgerottet, kann er das nicht rückgängig machen. Für zukünftige Generationen existiert ein Teil der Natur dann schlicht nicht mehr.» Seit 1900 sind in der Schweiz ein Drittel der Auen, 80 Prozent der Moore und über 90 Prozent der Trockenwiesen verschwunden. Eine Folge der intensiven Landnutzung. In der Regel, so Fabbro, verschwänden zuerst die Pflanzen und danach die Tiere, denen die Nahrung fehlt. Er nennt als Beispiel den Kreuz-Enzian, der im Jura nur noch selten vorkommt. Dieser lockt eine Schmetterlingsart an, die ihre Larven von Waldameisen ernähren lässt. Fehlt ein Teil dieses Puzzles, können die Auswirkungen weitreichend sein. «Oft sind die Mechanismen auch komplexer», so der Biologe, «wir kennen längst nicht alle.» Nur die Folgen kennt man heute: Ein Drittel der Tier- und Pflanzenarten in der Schweiz ist bedroht.

Wir steigen ins Tal ab, um einen besonderen Standort zu betrachten. Wir passieren wieder das Waldstück, dessen Büsche ein Schattenspiel auf den Weg werfen. «Artenvielfalt und Wohlbefinden hängen in meinen Augen zusammen», ist Meret Franke überzeugt. «Wenn wir uns an einem Ort in der Natur wohlfühlen, gibt es dort meistens auch viele Tiere und Pflanzen.» Wir erreichen eine Senke, in der ein weiterer Strommast steht. Thomas Fabbro bahnt sich durch Dornen und Unterholz einen Weg zum Mast und winkt uns heran. Noch bevor wir die Holunderbüsche vor uns zählen können, riechen wir ihre schiere Menge. Bienen summen, in einiger Entfernung blitzt zwischen der grüngelben Pracht ein pinker Fleck hindurch. Eine Orchidee, erklärt Fabbro. An einem kleinen Bach wurde an dieser Stelle ein Biotop gebildet. Auch dies ein Beispiel für das, was sich IWB und Pro Natura für die Stromtrassen vorstellen. Heute das Werk eines engagierten Forstteams, morgen das von vielen Helferinnen und Helfern.

Bei der Abreise besuchen wir die Stromtrasse noch einmal auf der anderen Seite der Jurakette. Nach luftiger Fahrt über die Jurahöhen, tief unter uns die Birs und die Lützel, halten wir an einer Weide. Am Horizont sehen wir sie sofort: Eine rechteckige Lücke klafft im Wald. Eine Stromtrasse, nach Vorgabe gestutzt, der jahrzehntelange Standard. Bald sollen die geraden Einschnitte verschwinden, und die Trassen neben dem Menschen auch Tier- und Pflanzenwelt dienen. Wir schauen noch eine Weile auf den geometrischen Fremdkörper in der Ferne. Wo auf der anderen Seite im Tal die Holderbüsche und Orchideen blühen.

Einsatz fürs Netz

Über 150 Kilometer Freileitungen, dazu 53 Kilometer unter dem Boden – allein das 150 Kilovolt-Netz von IWB kommt auf eine beachtliche Länge. Es bildet die Ader, die Strom nach Basel einspeist. Dort gibt es weitere Netze mit 50 und 12 Kilovolt sowie 400 Volt. All diese Netze müssen regelmässig unterhalten und gewartet werden, damit sie den gesetzlichen Normen entsprechen und die sichere Versorgung mit Strom gewährleisten. Bei den Freileitungen gehört neben der Kontrolle der Baumabstände auch noch die Erfassung von Blitzschlägen zu den Arbeiten, dazu der Ersatz von Isolatoren und sogenannten «Vogelschutzbesen», die Erdungsmessung bei den Mastfundamenten und die Kontrolle von Fliegerwarnkugeln bei besonders exponierten Leitungen. Die Liste lässt sich noch weiterführen, fest steht aber: IWB zeigt Einsatz für ihr Netz.

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