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Die Waldhüter

Wer den Wald mit anderen Augen sehen will, muss mit dem Förster hineingehen. Zu Besuch in einem Lebensraum, der vielen Ansprüchen dient. Auch dem Bedürfnis der Menschen in Basel nach Wärme.

 

Text: Paul Drzimalla; Fotos: Christian Aeberhard

 

Jonas Vögtlis Worte kommen nicht bis zu uns. Der tosende Motor und der Lärm der Stahlwalze, die Äste zu Dutzenden zermalmt, verschlucken alles. Erst hinter dem Lastwagen finden wir Ruhe zum Reden. Dort türmt sich ein drei Meter hoher Polter. «Das sind rund 800 Kubikmeter Holz – Schüttholz», erklärt Vögtli, während feiner Holzstaub herabrieselt. Alle Stämme und Äste würden zerkleinert, bis sie die Grösse von Apfelschnitzen hätten. Ihr Bestimmungsort: das Basler Holzkraftwerk 1. «Basel» schlucke viel, erklärt unser Begleiter – grosse Mengen, aber auch Sorten und Grössen, mit denen normale Anlagen zu kämpfen hätten. Dann müssen wir zur Seite stehen; ein Lastwagen fährt heran, um die nächste Holzladung abzuholen.

 

Kahlschlag oder Neubeginn?

Wir sind unterwegs mit Förster Jonas Vögtli, dem stellvertretenden Leiter des Forstbetriebs Angenstein. Sechs Gemeinden im nördlichen Baselland umfasst sein Revier, und verschiedene Waldeigentümer beauftragen das zehnköpfige Team, die rund 1200 Hektaren Wald zu bewirtschaften. Nicht eingerechnet sind Maschinisten wie der Fahrer des Hackers, der neben uns weiter Stamm für Stamm zerkleinert. Ein Blick den Hang hinauf zeigt eine grosse Schneise, aus der vereinzelte hellgrüne Plastikröhren hervorschauen. Junge Bäume, die der Forst als Ersatz für den Holzschlag gepflanzt hat. «Nicht alle haben Freude an unserer Arbeit», kommentiert Vögtli mit Blick auf den kahlgeschlagenen Hang. Immer wieder erhält der Forst Briefe, die ihm vorwerfen, den Wald zu zerstören. Er antworte eigentlich immer, organisiere oft Waldbegehungen. Dann erklärt er auch, dass die Brache und die jungen Bäume darin vielleicht die Rettung des Walds sind. Die Wälder des Forsts hätten das gleiche Problem wie viele in der Schweiz: Überalterung. «Aufgrund der trockenen Sommer in den letzten Jahren sind viele Bäume stark geschädigt», erklärt Vögtli. «Wir müssen sie fällen und zugleich den Wald anpassen.» Deshalb pflanze sein Team verschiedene Arten, die man hier sonst nicht sehe: Eiche, Elsbeere, Speierling, ja sogar Edelkastanie und einzelne Lärchen ersetzen die omnipräsente Buche. Es sei ein Experiment, ein wichtiges sogar. «Alle sehen, dass die Klimaerwärmung den Wald unter Stress setzt, doch niemand weiss genau, welche Baumarten dem am besten gewachsen sind.» Das Ziel – ein gesunder Mischwald – will uns Vögtli jetzt zeigen.

 

Denken in Generationen

Wir halten in einem Waldstück. Hier stört keine Maschine die Stille. Ein Rotkehlchen schwirrt an uns vorbei und landet auf einem Ast. «Das ist das Bild, das wir in unserem Forst wollen.» Der Blick des Försters streift durch das Geäst. «Verschiedene Arten und alle Altersstufen von Bäumen nebeneinander. Ein Dauerwald.» Wenn er diese Eiche hier fälle – Vögtli klopft auf einen mächtigen Stamm –, stehe nebenan ein junger Baum bereit, der nachwachse. Ein solcher Mischwald entstehe jedoch nicht von alleine, es brauche Jahrzehnte Arbeit. «Mein Chef ist seit 35 Jahren in diesem Revier. Bei mir sind es 17. Das ist heute selten, aber es gibt uns die Möglichkeit, eine Strategie zu verfolgen.» In der Ferne läuft ein Jogger vorüber, über uns streiten zwei Elstern.

Wir gehen ein Stück mit dem Förster. «Die Aufgabe des Forsts ist es, alle Leistungen des Waldes sicherzustellen.» Neben der Holzproduktion seien das auch die Schutzfunktion, die Grundwasserfilterung, der Lebensraum für Tiere und die Nutzung als Erholungsort. Man könne den Wald natürlich auch sich selbst überlassen, meint Vögtli, und blickt in die Kronen hinauf. Aber man müsse bedenken, wer heute alles im Wald unterwegs sei: Velofahrer, Spaziergänger, Hundefreunde. Liesse man überalterte Bäume stehen, könnten sie plötzlich grosse Äste abwerfen oder sogar selbst umstürzen – lebensgefährlich für jeden, der in der Nähe ist. «Ausserdem setzen sich im Wald immer die stärksten Bäume durch.» Ohne Eingriffe erhalte man das, was Förster «Hallenwald» nennen: eine Monokultur, unter deren dichtem Kronendach nichts gedeihe und Tiere fernblieben.

Doch würde ohne die Arbeit des Forsts auch das Energieholz für das Holzkraftwerk 1 irgendwann knapp? Das glaube er nicht, meint Vögtli. Grundsätzlich nehmen die Holzvorräte in den Baselbieter Wäldern noch immer zu. Und das Schweizer Waldgesetz würde zusammen mit den Waldnutzungsplänen des Kantons eine Übernutzung verhindern. «Momentan haben wir eher das Problem, alles Holz abzusetzen», erklärt Vögtli. Die Nachfrage der Schreinereien und auch der Energieholzhändler liege weit unter dem Angebot. «Heute wird Schweizer Holz bis nach China exportiert.»

 

Vom Wald lernen

Wir fahren noch einmal los. Die Strecke führt über Feldwege, Vögtli scheint jede Abzweigung blind zu nehmen. Nein, er kenne noch immer nicht alle Winkel, meint er lachend. «Früher sind Förster oft einfach in den Wald gegangen. Um zu beobachten, zu lauschen, vom Wald zu lernen.» Das sei leider nur noch selten möglich. Der Effizienzdruck sei gross. Forstwarte, die zum Znüni ein Lagerfeuer entfachen, gebe es nicht mehr. Schon von Weitem sehen wir die Holzequipe am Waldrand. Ein Zangenschlepper schichtet gefällte Bäume, Motorsägen knattern. Ein süsser Geruch empfängt uns. Das Holz der frisch geschnittenen Traubenkirsche, erfahren wir im Vorbeigehen. Das Team sei dabei, den Wald zu lichten. Vögtli zeigt auf eine Hausreihe. «Einige der Bäume sind vom Borkenkäfer so stark geschädigt, dass sie auf ein Dach stürzen könnten.»

In der Ferne lehnt eine Forstwartin rücklings an einem angeschnittenen Baum und schwenkt mehrmals die ausgestreckten Arme vom Einschnitt nach vorne. So werde die Falllinie bestimmt, erklärt Vögtli, der mit uns die Szene beobachtet. «Die junge Weisstanne da drüben soll unversehrt bleiben.» Die Forstwartin treibt einen Keil in den Stamm; das Holz ächzt und kracht. Kurz ertönt ein lautes «Achtung!», dann rauscht der Stamm zu Boden. «Immer wieder ein besonderes Geräusch.» Jonas Vögtli lächelt, während unter uns die Erde zittert. Auf drei Tonnen schätzt er die gefällte Buche. «Auch sie kommt nach Basel.» Das Käferholz wolle niemand, da es durch Ausscheidungen der Insekten leicht verfärbt sei – für die Schreinerei unattraktiv.

Ja, er sei froh um das Holzkraftwerk, meint er im Gehen, während er seinen Kolleginnen und Kollegen zuwinkt. Solch ein sicherer Holzabnehmer bedeute eine Sorge weniger. Wir steigen wieder ein und biegen auf die Hauptstrasse. Hinter uns verschwindet das schmale Waldstück, man sieht den Ladewagen und die bunten Kleider der Forstequipe. Sanft fällt die Strasse durch das Birstal nach Basel ab. Einzelne Fenster leuchten im grauen Wintermorgen, und fast unsichtbar rauchen die Kamine. 

 


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