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Der grosse Plan für unsere Dächer

Test3
Die Photovoltaik spielt die Hauptrolle der Schweizer Energiewende. Das will Roger Nordmann beweisen. Ein Gespräch mit dem Energiepolitiker, Solarexperten und Buchautor.

 

Text: Paul Drzimalla; Fotos: Niels Franke

Roger Nordmann, Ihr Buch «Sonne für den Klimaschutz – ein Solarplan für die Schweiz» hat letztes Jahr ein grosses Echo ausgelöst. Hat Sie das überrascht?

Es hat mich vor allem gefreut. Ich glaube, der entscheidende Punkt war, dass ich den Elefanten im Raum genannt habe. Wir brauchen in Zukunft viel Strom, wenn wir den Wärme- und den Verkehrssektor dekarbonisieren und gleichzeitig aus der Kernenergie aussteigen wollen. Paradoxerweise kann nur die Photovoltaik dieses Problem lösen.

 

weshalb sie massiv ausgebaut werden muss. Dagegen gab es auch kritische Stimmen.

Es gibt zwei berechtigte Einwände, auf die man Antworten finden muss. Der erste: Was macht man, wenn man zu viel Strom hat, etwa im Hochsommer? Selbst wenn man das Netz ausbaut, kann man irgendwann nicht mehr speichern. Exportieren geht nicht, weil andere Länder ebenfalls die Erneuerbaren ausbauen. Das zweite Problem: Was, wenn es über längere Zeit wenig Solarstrom gibt? Sprich: im Winter.

 

Und wie lauten Ihre Antworten?

Sie fallen etwas unkonventionell aus. Zu viel Strom ist kein Problem, wir drosseln einfach die Anlagen. Dadurch schonen wir das Netz und vermeiden Netzinvestitionen. So können wir mehr Photovoltaik zubauen, was uns wiederum im Winter hilft. Doch selbst dann wird uns etwas Strom fehlen. Entweder gelingt es uns, den Solarstrom zu speichern, oder wir importieren Windstrom. Im Worst Case kämen Gaskraftwerke zum Einsatz.

Selbst dann würden die Emissionen noch um 86 Prozent sinken, weil wir ja zugleich den Strassenverkehr und die Gebäude dekarbonisieren. Die kurzfristige Speicherung ist in der Schweiz überhaupt kein Problem dank Stauseen. Aber wichtig ist: Die Sonne kann selbst im Winter sehr viel Strom produzieren. Das sagen inzwischen auch andere Studien.

 

In Ihrem Szenario braucht die Schweiz 50 statt heute 2 Gigawatt Leistung aus Photovoltaik­anlagen. Wo befinden sich all diese Anlagen?

Grundsätzlich sind die Dächer unser Vorrat. Schon mit ihnen kommen wir auf 50 Gigawatt, wenn wir systematisch vorgehen. Dann gibt es viele Fassaden, die interessant wären, gerade am Abend oder im Winter, wenn die Sonne tief steht. Schliesslich gibt es Infrastrukturen wie Parkplatzbedachungen oder Lärmschutzwände, die sich anbieten. Frei stehende Anlagen in den Alpen sind zwar wegen des Ertrags im Winter interessant, aber zuerst müssen wir dort bauen, wo es einfach und breit akzeptiert ist: auf den Dächern.

 

Wer soll investieren?

Es gibt verschiedene Treiber. Einer sind private Investoren, die den Strom selbst verbrauchen. Der zweite sind Anlagen, die nicht über den Eigenverbrauch finanziert werden. Gerade in der Landwirtschaft kann man sehr günstig grosse Anlagen bauen, ebenso auf den genannten Infrastrukturen. Dort braucht es aber Investitionshilfen, damit diese Anlagen, die keinen Eigenverbrauch erzeugen können, auch rentieren. Denn eines ist klar: Philanthropie allein wird die Energiewende nicht finanzieren.

 

Der Ausbau der Photovoltaik ist für Sie Teil eines «Marshall-Plans» für das Klima. Ein grosser historischer Vergleich.

Die Klimafrage ist auch existenziell. Es braucht eine grosse Investitionswelle, denn vor uns liegen verschiedene Transformationen. Die Elektroautos kommen vermutlich von alleine, aber bei der Gebäudesanierung braucht es Unterstützung. Und Strom ist ein Grenzkostenmarkt, neue Anlagen können sich folglich nie nur am Markt refinanzieren. Das hat aber auch schon für AKWs und Kohlekraftwerke gegolten. Letztlich ist es der Wiederaufbau unserer Energieversorgung. Jede zweite Kilowattstunde, die wir 2050 nutzen, wird aus einer Anlage stammen, die heute nicht existiert.

«Die Dächer sind unser Vorrat. Mit ihnen erreicht die Schweiz 50 Gigawatt Solarenergie.»

Roger Nordmann, Präsident Swissolar und Nationalrat

Ein Plan mit vielen Einzelteilen. Was, wenn nicht alle gelingen?

Erstens ist es ein langfristiger Plan, man kann ihn also immer justieren. Zweitens ist die technische Entwicklung noch gar nicht berücksichtigt. Bei der Speichertechnologie werden wir sicher noch Fortschritte sehen. Und was wäre denn die Alternative? Energiearmut oder eine Umweltkatastrophe! Wir wollen beides nicht, also müssen wir in die Zukunft investieren. Heute leben wir in der Schweiz von der Substanz: Die Kernkraftwerke erreichen das Ende ihrer Lebensdauer und das Potenzial der Wasserkraft ist fast erschöpft. Also brauchen wir eine neue Quelle.

 

Wenn Sie über Photovoltaik reden, schwingt Begeisterung mit. Woher kommt die?

Photovoltaik ist eine elegante Technik, die ohne bewegte Teile auskommt. Sie funktioniert leise, wartungsarm und die Sonne als Quelle ist unendlich vorhanden. Nicht umsonst haben sich ganze Zivilisationen an ihr ausgerichtet. Das ist einfach faszinierend. 

 


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Zur Person

Roger Nordmann ist Präsident von Swissolar, dem Schweizerischen Fachverband für Solarenergie. Der Waadtländer hat Politologie und Ökonomie studiert und ist Fraktionspräsident der Sozialdemokratischen Partei der Bundesversammlung. Der erfahrene Energie- und Klimapolitiker ist seit 2004 Mitglied der nationalrätlichen Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie UREK.

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